Umfang der Weiterbildung Die Weiterbildung setzt sich aus 8 Modulen (je 2 Tage) zusammen. Die Module bauen aufeinander auf und greifen ineinander. Alle Module bestehen aus Theorieanteilen sowie der Möglichkeit zur Fallbesprechung, praktischer Umsetzung und Selbsterfahrung. Diese Teile werden jeweils abhängig zu den Anliegen der Teilnehmenden gestaltet. Zielgruppe Pädagogische Fachkräfte aus Jugendhilfe, Beratungsstellen, Kita, Schule, etc. Die Grundsätze der Traumapädagogik gelten auch für die Seminartage: Das Seminar als sicherer Ort für die TeilnehmerInnen, in dem alle Seminarthemen Angebote sind, und die Teilnehmenden entscheiden, wie weit sie ein Angebot für sich nutzen möchten.


  • Datum:11.03.2027 09:00 - 18.08.2028 17:00
  • Ort

Beschreibung

Modul 1: 11. und 12. März 2027

Modul 2: 13. und 14. Mai 2027

Modul 3: 19. und 20. August 2027

Modul 4: 28. und 29. Oktober 2027

Modul 5: 13. und 14. Januar 2028

Modul 6: 16. und 17. März 2028

Modul 7: 18. und 19. Mai 2028

Modul 8: 17. und 18. August 2028


Zusätzlich zu den Modulen finden Supervisionstreffen im Umfang von insgesamt 24 UE statt. Die Supervisionstermine werden im Seminar vereinbart.


Ergänzend zu den Modulen treffen sich die TeilnehmerInnen in festen Peergruppen. In den Peergruppen sollen die Inhalte der Module vertieft und die Methoden weiter geübt werden. Die Peergruppen dienen zur gegenseitigen Unterstützung bei der Fall- und Projektarbeit. Die Peergruppentreffen sollten sich insgesamt auf mindestens 16 Unterrichtsstunden belaufen. 


Für einen qualifizierten Abschluss ist die Teilnahme an allen Modulen, den Peergruppentreffen und der Supervision sowie die Ausarbeitung und Vorstellung einer Falldarstellung und einer Projektarbeit notwendig. 


Die Falldarstellung und die Projektdokumentation erfolgt schriftlich, sollte mindestens 10 DINA4 Seiten umfassen jedoch 20 DINA4 Seiten nicht überschreiten.


Inhalte der Weiterbildung

 

Modul I: 

Leitung: Andrea Galitz

Einführung in die systemische Traumapädagogik


  • Grundlagen der Traumapädagogik und Psychotraumatologie

Definitionen Trauma und Traumafolgestörungen und deren Bedeutung für die Arbeit mit Kindern/Jugendlichen und deren Familien

Traumakategorien und ihre Auswirkungen auf Traumafolgestörungen

Besonderheiten des Traumagedächtnisses 

Transgenerationale Weitergabe psychischer Traumatisierung

Traumaverarbeitung einschl. Schutz- und Risikofaktoren zur Unterstützung/Behinderung natürlicher Verarbeitungsprozesse, Resilienz, Salutogenese

Traumafolgeproblematiken, Spektrum der Traumafolgestörungen einschließlich dissoziativer Störungen

  • Traumapädagogische Haltung und Standards

Ressourcenorientierte Traumapädagogik

Pädagogik des sicheren Ortes

Pädagogik der Selbstbemächtigung

Resilienzorientierte Pädagogik

  • Systemische Haltung und Methoden in der Traumapädagogik

Basisstrategien traumazentrierter Pädagogik und Beratung im systemischen Kontext

  • Theorie der strukturellen Dissoziation, Ego State Theorie

Definition von Dissoziation und Auswirkungen auf die pädagogische Arbeit

Traumaverarbeitung Einschließlich Schutz- und Risikofaktoren zur Unterstützung/Behinderung natürlicher Verarbeitungsprozesse, Resilienz, Salutogenese

Auswirkungen auf das Erleben und den Umgang mit dem eigenen Körper

Imaginativ-hypnotherapeutische Verfahren

  • Traumazentrierte Arbeitsfelder 

Methoden in der traumapädagogischen Arbeit

Traumasensible Elternarbeit

Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften

Selbstfürsorge – Arbeitsgesundheit

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Modul II: 

Leitung: Andrea Galitz

Bindung und Trauma 

Traumasensibles-diagnostisches Verstehen


  • Traumapädagogisch Diagnostisches Verstehen:

Kontextangemessene traumaspezifische Anamnese und Diagnostik

Vier Säulen diagnostischen Verstehens

Umgang mit Komplexität

Voraussetzungen für eine gelingende Diagnostik

Anerkennung der Expert:innenschaft, Selbstverstehen und gemeinsames Verstehen

Die Bedeutung der Grundhaltung

Wertschätzung und wertschätzende Präsenz

  • Biografiearbeit

Traumasensible Haltung 

Nutzen von Übertragung und Gegenübertragung im Prozess der Biografiearbeit und im Alltag

Traumasensible Bedingungen im Kontext der Institution

Umgang mit Krisen

Selbstverstehen ermöglichen 

Anerkennung des Schmerzes

  • Bindungs- und beziehungsorientierte Pädagogik

Beziehungsaufbau und -gestaltung

Traumaspezifische Beziehungsdynamiken erkennen und verstehen

Korrigierende Beziehungserfahrung

Institutionelle Bedingungen traumaspezifischer Bindungsarbeit

Methoden und Haltung einer bindungsorientierten Pädagogik

Verständnis von Krisen als Prozessnotwendigkeit

Professionelles Selbstverständnis: Rolle, Motivation, Gefühle und Persönlichkeit nutzen

Mitbestimmung / Partizipation / Selbstbemächtigung

Wirkung eigener Bindungs- und Beziehungserfahrungen 

Beziehungsdynamik: Übertragung, Wiederholung und Erwartung

Strukturelle Rahmenbedingungen zur Förderung von Bindungsentwicklung,

Traumadynamiken erkennen und verstehen

  • Umgang mit Gewalt

Gewalt und sexuelle Gewalt im Familiensystem

Angemessener Umgang mit Gewalt, Schutz vor Gewalt

  • Reflexion der beruflichen Rolle in Bezug auf die eigene Biografie

Professionelles Selbstverständnis: Rollenklarheit, Motivklärung, Gefühle und Persönlichkeit


Modul III:

Leitung: Lucas Schoob

Stabilisierung in der pädagogischen Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen


  • Traumasensibler Aufbau der Zusammenarbeit

Prozessplanung unter besonderer Berücksichtigung der Triade Klient:in / Institution/ Fachkraft

Selbstwahrnehmung – Selbstkontrolle – Selbstwirksamkeit als pädagogisches Grundprinzip der Hilfeplanung und Resilienzförderung.

Körperliche, soziale und psychische Stabilisierung der Kinder im Alltag

Bedeutung eigener Emotionen als Reflexionshilfe/Impulsgeber für pädagogisches Handeln,

Wirkung eigener Bindungs- und Beziehungserfahrungen

Korrigierende Beziehungsgestaltung 

Partizipation und Selbstbemächtigung

Beziehungs- und resilienzorientierte Pädagogik

  • Die Institution als sicherer Ort für Mitarbeiter:innen und Klient:innen

Institutionelle Bedingungen traumaspezifischer Arbeit (Strukturen, Übergaberegeln, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, Krisenmanagement, Kooperationen)

Strukturelle Voraussetzungen für Stabilisierung

Schaffung einer möglichst sicheren äußeren Umgebung

Unterbrechung von bzw. Umgang mit Täter:innenkontakt

Beziehungsgestaltung in traumabelasteten Kontexten

  • Traumapädagogisch-systemische Gruppenarbeit

Wechselwirkungen zwischen komplexen Traumafolgestörungen, sozialen Kompetenzen und Gruppendynamik 

Einfluss sozialer Angst, Methoden der Gruppenreflexion

Positive Peerkultur und Schutz vor Mobbing und Peergewalt in (trauma-)pädagogischen Settings

Wechselseitige Beeinflussung von Team- und Gruppendynamik



Modul IV:

Leitung: Andrea Galitz

Traumapädagogische Methoden zur Begleitung im Alltag


  • Phasen-Modelle traumazentrierter Intervention

Unterstützung/Begleitung spontaner Traumaverarbeitungsprozesse

Umgang mit Traumaverarbeitungsprozessen in verschiedenen Arbeitskontexten einschl. Möglichkeiten und Grenzen sowie Indikationen für Weiterverweisung

  • Methodische Ansätze zur Umsetzung der traumasensiblen Haltung für die pädagogische Praxis 

Umsetzung und Erprobung traumapädagogischer Methoden

Systemische Beratungsmethoden traumasensibel adaptiert

Imaginativ-hypnotherapeutische Techniken mit Basisübungen zur Visualisierung und Externalisierung

Arbeit mit inneren Anteilen und Ego States

Distanzierungs- und Kontrolltechniken

Selbstberuhigungs- und Selbsttröstungstechniken (Arbeit mit „inneren“ Ressourcen)

Screen-Technik zur Verstärkung und Verankerung real erlebter positiver Zustände (Arbeit mit „äußeren“ Ressourcen)

  • Traumadynamiken erkennen und verstehen

Basisstrategien traumazentrierter Arbeit bei akuten und komplexen Traumatisierungen

Einschließlich Psychoedukation, Reorientierung und Dissoziationsstopps

Herstellung innerer und äußerer Sicherheit

Wahrnehmen und nutzen von Übertragung und Gegenübertragung

Erkennen und Verständnis der Funktion von Dissoziation im pädagogischen Alltag

Umgang mit dissoziativem Verhalten

Achtsamkeit und Förderung der Sinneswahrnehmung als Dissoziationsschutz/-prävention

Traumasensible Beendigung von dissoziativen Zuständen über Skills, sensorische Reize und Aufmerksamkeitslenkung


Modul V: 

Leitung: Simone Densing

Begleitung von Trauma- und Trauerprozessen 


  • Unterstützung und Begleitung längerfristiger Traumaverarbeitungsprozesse

Traumapädagogische Interventionsstrategien zur Stabilisierung im Alltag

Distanzierungs- und kognitive Rekonstruktionstechniken

Systemische Interventionsstrategien

  • Umgang mit Verlusterfahrungen

Trauern und Abschiednehmen

Auswirkungen von Unfällen, Krankheit und Tod auf das Familiensystem

Traumaspezifische Kriseninterventionen bei dissoziativen Zuständen, selbstschädigendem und suizidalem Verhalten (einschl. Möglichkeiten und Indikationen zur Weiterverweisung)

Aufgreifen der Themen im Alltag

Einfluss sozialer Angst

Reflexion eigener Verlusterfahrungen

  • Effektive und nachhaltige Versorgung von traumatisierten Menschen 

Unterstützung und Begleitung spontaner Traumaverarbeitungsprozesse

Umgang mit spontanen Traumaverarbeitungsprozessen in verschiedenen traumazentrierten Handlungsfeldern

Spontane Traumaverarbeitung in der Beratung und in pädagogischen Settings

  • Traumasensibles Arbeiten in Organisationen

Traumadynamiken im Team und in der Einrichtung

Resiliente Führungs- und Einrichtungskultur, achtsame Organisationskultur

Reflexion der eigenen Position im Team

Zusammenarbeit mit Jugendamt, Kliniken, Vormündern, Schule, Kita etc.


Modul VI:

Leitung: Andrea Galitz

Traumasensible Arbeit mit Familiensystemen


  • Traumasensible Elternarbeit

Grundlagen systemischer, ressourcenorientierter und traumazentrierter Gesprächsführung

Methoden für die pädagogische und beratende Arbeit mit Familiensystemen

Traumaspezifische Beziehungsdynamiken 

Umgang mit Triggern und Flashbacks bei Eltern

Strukturelle Dissoziation und Ansätze der Ego State Therapie in der pädagogischen Arbeit mit Eltern

Systemisches Arbeiten mit Bezugspersonen und Bezugsgruppen (z.B. Wohngruppe, Schule, Familie, Pflegefamilie)

Intergenerationale Traumatisierung, Auswirkungen von Traumafolgestörungen auf die Erziehungskompetenzen

Familiäre Bewältigungsmuster für traumatischen Stress

Familienbeziehung als wichtiger Schutzfaktor

Lebensweltorientierte Elternarbeit in unterschiedlichen Settings

Kooperation mit anderen Institutionen

  • Eltern als Täter

Familiäre Risikofaktoren für Vernachlässigung und Misshandlung

Systemische Aspekte von häuslicher Gewalt

Umgang mit hochbelasteten oder psychisch erkrankten/traumatisierten Eltern

Loyalitätskonflikte, Schuld und Schamdynamiken die zur Negierung der Misshandlung und Vernachlässigung durch die Eltern führen können

Neudefinition der Eltern/Kind-Beziehungen nach Kindesmisshandlung und Vernachlässigung

Rekonstruktion des sicheren Ortes

  • Traumasensible Elternarbeit in Krisensituationen (z.B. Inobhutnahmen)

Elternarbeit als sicherer Ort für alle Beteiligten

Sicherer Ort für alle in Besuchskontakten

  • Falldarstellung und Reflexion



Modul VII: 

Leitung: Stephanie Schmitz

Körperliche Stabilisierung, psychische Stabilisierung und Selbstfürsorge


  • Körperliche Stabilisierung

Basale Selbstfürsorge (Ernährung, Körperhygiene, Bewegung / sportliche Aktivitäten)

Selbstregulation (einschl. Grounding-Techniken und Achtsamkeitsübungen)

Einfache Entspannungstechniken

Skills, die über die Sinnes- und Körperwahrnehmung wirken (z. B. Eis, Igelballmassage, Senf)

Techniken zur Körpersynchronisation und -integration (z. B. Atemübungen, Qi-Gong, Yoga)

  • Soziale Stabilisierung

Schaffung einer möglichst sicheren äußeren Umgebung

Unterbrechung bzw. Umgang mit Täter:innenkontakt

Arbeit mit Bezugspersonen und Bezugsgruppen (z. B. Wohngruppe, Schule, Familie, Pflegefamilie)

Mobilisierung sozialer Ressourcen im Umfeld der Betroffenen

Netzwerkarbeit 

  • Kognitive Techniken 

Verändern dysfunktionaler Überzeugungen, Bearbeiten von Schuld und Scham 

Distanzierungs- und Kontrolltechniken

Selbstberuhigungs- und Selbsttröstungstechniken (Arbeit mit „inneren“ Ressourcen)

Screen-Technik zur Verstärkung und Verankerung real erlebter positiver Zustände (Arbeit mit „äußeren“ Ressourcen)

  • Resilienzförderung

Selbstbemächtigung (Selbstverstehen, Selbstakzeptanz, Sinnes- und Körperwahrnehmung, Selbstregulation) 

Selbstwahrnehmung, Selbstkontrolle, Selbstwirksamkeit als Grundlage der Resilienzentwicklung

Selbstfürsorge

Selbstwertschätzung zur Verhinderung von selbstdestruktiven Traumadynamiken

Strukturelle Voraussetzungen der Selbstfürsorge 

  • Mitarbeiter:innen Fürsorge 

Erkennen und Reflexion eigener emotionaler Reaktionen und Handlungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung traumaspezifischer Beziehungsdynamiken

Belastungsanalyse und Strategien der Entlastung

Sekundäre Traumatisierung und Mitgefühlserschöpfung

Unterstützung und Stabilisierung durch das Team 

Möglichkeiten zur Stärkung der Resilienz und Salutogenese

Angemessener Umgang mit Gewalt, Schutz vor Gewalt, Bedeutung der Dokumentation und Aufbereitung und des Nutzens von institutionellen Schutzkonzepten


Modul VIII:

Leitung: Andrea Galitz

Projektvorstellungen / Reflexion / Abschied


  • Reflexion der eigenen beruflichen Rolle in Bezug auf Biografie und Gegenwart
  • Beziehungsgestaltung in traumazentrierten Arbeitsbereichen (Übertragung von Emotionen, Beziehungsbedürfnissen und Rollen)
  • Analyse des aktuellen Arbeitsfeldes, mit Fokus auf Traumasensibilität, administrative, fachliche und emotionale Unterstützung und dem Sicherheitserleben der Klient:innen und Fachkräfte
  • Projektvorstellungen der einzelnen TeilnehmerInnen
  • Gestaltung von Abschluss-Situationen und Abschieds-Prozessen
  • Reflexion des Gesamtprozesses und Weiterentwicklung in der Zukunft
  • Zertifizierung und Abschluss der Weiterbildung